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Bilddateien sind Public Domain Mark 1.0. Hamburger Kunsthalle, ID4084. Aufnahme durch Dana Zacharias. Medailleur/in: Prof. Hermann Hahn.
Hahn, Hermann: Verdienstmedaille der AEG, nach 1908
Inventarnummer: M-1960-6
Vorderseite: EMIL ∙ RATHENAV ∙ LXX ∙ IAHRE ∙ ALT ∙ XI ∙ DEZ ∙ MCMVIII. Brustbild des Emil Rathenau mit Kneifer auf der Nase nach links. Er trägt ein Hemd und darüber ein Sakko. Unten die Signatur H. HAHN.
Rückseite: A ∙ E ∙ G - B ∙ E ∙ W ∙ FVER ∙ VERDIENST ∙ VND - TREVE. Ein Adler steht mit angelegten Schwingen auf einer Freiheitskappe (pileus) (oder Felskuppe), darauf die Signatur L CHR LAUER, nach links. Über ihm ein Blitzbündel und im linken Feld eine Grille.
Rand: SILBER 990
Herstellung: geprägt
Medaille, Silber, 40,10 g, 40-58 mm, 12 h
Datierung: nach 1908
Medailleur/in:
Prof. Hermann Hahn
Hersteller:
Prägeanstalt Lorenz Christian Lauer
Dargestellte/r:
Emil Rathenau
Literatur: S. Salaschek, Katalog der Medaillen und Plaketten des 19. und 20. Jahrhunderts im französischen und deutschen Sprachraum in der Hamburger Kunsthalle (1980) Nr. 698; Jahrb. Hamburg Kunstsammlungen 6 (1961) 207; M. Heidemann, Medaillenkunst in Deutschland von 1895-1914 in: W. Steguweit (Hrsg.), Die Kunstmedaille in Deutschland 8 (1998) S. 186 Nr. 401 (dieses Stück erwähnt); W. Steguweit (Hrsg.), Die Kunstmedaille in Deutschland 14 (2000) S. 33 Nr. 61.
Provenienz: Diese Medaille wurde zwischen 1939 und 1940 aufgrund der „Dritte[n] Anordnung aufgrund der
Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21.02.1939 zwangsweise an das
Deutsche Reich abgegeben. Sie stammt aus dem Eigentum einer bisher leider unbekannten jüdischen
Person aus Hamburg. In ganz Deutschland waren jüdische Bürger*innen unter Strafandrohung
zwangsweise dazu verpflichtet, ihre Gegenstände aus Gold, Silber und Platin sowie Edelsteine und
Perlen abzuliefern. Bis 1940 wurden in Hamburg über die öffentlichen Pfandleihen insgesamt 20
Tonnen Silber aus vormals jüdischem Eigentum ‚angekauft‘, wobei die Veräußer*innen nur einen
Bruchteil des Marktpreises erhielten. Aus diesem beschlagnahmten Bestand erwarb die Stadt
Hamburg 1940 zwei Tonnen, um kulturell und künstlerisch wertvolles Silber für die Hamburger
Museen zu bewahren. 18 Tonnen wurde eingeschmolzen.
Nachdem die Medaille in den 1950er Jahren aufgrund fehlender Akten nicht an ihre vormaligen
Eigentümer*innen oder deren Nachfahren restituiert werden konnte, wurde sie 1959 zusammen mit
1200 Kilogramm in einem Vergleich mit der Jewish Trust Corporation erneut von der Stadt Hamburg
angekauft. In diesem Zuge erhielt die Hamburger Kunsthalle 1960 diese und acht weitere
Silbermedaillen als Geschenk der Finanzbehörde. Sollten sich vormalige Eigentümer*innen oder
deren Nachfahren finden, ist die Medaille zu restituieren.
Hermann Hahn (Kloster Veilsdorf 28.11.1868 - 18.08.1945 Pullach Isartal), München, zwischen 1908 und 1930 - ? (1); […] (2); unbekanntes jüdisches Eigentum, Hamburg, ? - 1939/1940 (3); Zwangsabgabe im Zuge der „Dritten Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ an das Deutsche Reich, 1939/1940 (4); Ankauf von dort durch die Hansestadt Hamburg, vermutlich 1940 - 1945 (5); […] (6); eingezogen von der Finanzbehörde Hamburg unter der Kontrolle der britischen Besatzungsmacht, 1945 - ? (7); Treuhandvermögen der Jewish Trust Corporation, nach 1950 - 1959 (8); Ankauf von dort durch die Hansestadt Hamburg, 1959 - 12.05.1960 (9); Geschenk an die Hamburger Kunsthalle, 12.05.1960 (10).
1) Siehe Signatur auf Objekt.
2) Bisher unbekannte Provenienzen.
3) Ergibt sich aus 10).
4) Die „Dritte Anordnung aufgrund der Verordnung über die Anmeldung des Vermögens von Juden“ vom 21.02.1939 regelte die vom Reichswirtschaftsministerium vorgesehene Abgabe jüdischer Vermögenswerte im Deutschen Reich und zwang deutsche und staatenlose Juden und Jüdinnen dazu, die ihnen gehörenden Gegenstände aus Gold, Silber und Platin sowie Edelsteine und Perlen binnen zwei Wochen an die öffentlichen Ankaufstellen abliefern, die sich in Hamburg im Bäckerbreitergang 73 und in der Gothenstraße 10 befanden. Die Enteignungen wurden als Ankäufe deklariert, jedoch auf den reinen Materialwert nur ca. 10% des Marktpreises ausgezahlt. In Hamburg wurden rund 20 Tonnen Silber aus vormals jüdischem Besitz beschlagnahmt und hauptsächlich eingeschmolzen. Die Unterlagen der öffentlichen Ankaufstellen waren vor Besetzung Hamburgs weisungsgemäß vernichtet worden, sodass es heute keine Hinweise mehr auf mögliche Voreigentümer*innen gibt. Siehe hierzu: Sabine Schulze und Silke Reuther: Raubkunst? Silber aus ehemals jüdischem Besitz - wie gehen Museen damit um? Symposium anlässlich der Ausstellung „Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg“, Hamburg 2014.
5) Die Stadt Hamburg kaufte dem Deutschen Reich rund 2.000 von den beschlagnahmten 20.000 kg ab, um kulturell wertvolles Silber für die Hamburger Museen zu bewahren. Ausgewählt wurden die Stücke, vornehmlich Gebrauchssilber, von Konrad Hüseler (Museum für Kunst und Gewerbe) und Carl Schellenberg (Museum für Hamburgische Geschichte). Siehe hierzu: Schulze/Reuther 2014; Staatsarchiv Hamburg StaHH 622-1/222_A 40; StaHH 131-22_37. Während des Krieges lagerte es im Bunker auf dem Heiligengeistfeld, Hamburg. Von dort gelangte es ins Museum für Hamburgische Geschichte, anschließend in den Tresorraum der Hamburger Finanzbehörde am Gänsemarkt.
6) Bislang unbekannte Provenienzen.
Teile des beschlagnahmten Silbers wurden vom Museum für Hamburgische Geschichte, Museum für Kunst und Gewerbe, dem Altonaer Museum und dem Senat angekauft. Ob sich dieses Stück darunter befand, bleibt unklar. Siehe hierzu: Schulze/Reuther 2014; StaHH 131-22_37.
7) Die britischen Alliierten ordneten nach Kriegsende die Rückgabe des beschlagnahmten Silbers an vormalige Eigentümer*innen oder ihre Nachfahren an. Carl Schellenberg bearbeitete und inventarisierte die beschlagnahmten Objekte in den folgenden Jahren. Er versah jedes Stück mit einer roten Nummer, die sich auf diesem Stück jedoch nicht erhalten hat. Aufgrund fehlender Provenienzhinweise entschied man sich für eine öffentliche Ausstellung der 40.000 Einzelstücke. Vormalige Eigentümer*innen oder deren Nachfahren sollten so die Möglichkeit erhalten, ihr Eigentum zu identifizieren und einen Rückerstattungssantrag zu stellen. Es konnten rund 800 kg der rund 2 Tonnen Silber in circa 700 Rückerstattungsvorgängen restituiert werden. Siehe hierzu: Schulze/Reuther 2014; StaHH 622-1/222_A 40; StaHH 363-6_1572.
8) Zu einem heute unbekannten Datum ging das bisher nicht restituierte Silber an die Jewish Trust Corporation, eine Treuhänderstelle für erbenloses jüdisches Vermögen, über. Siehe hierzu: Schulze/Reuther 2014; StaHH 363-6_1572.
9) Nach einem Vergleich vom 10.12.1958 zwischen der Stadt Hamburg und der Jewish Trust Corporation wurden die ca. 1.200 kg des nicht restituierten Silbers 1959 zu einem Preis von ca. 102.000 DM von der Stadt Hamburg angekauft und anschließend den öffentlichen Sammlungen der Stadt, dem Rathaus und der jüdischen Gemeinde wurde das von der JTC angekaufte Silber als Geschenk angeboten. Siehe hierzu: Schulze/Reuther 2014; StaHH 363-6_1572; StaHH 311-3 I_Abl. 1989 305-2-1/174b.
10) Die Hamburger Kunsthalle erhielt das Objekt zusammen mit acht weiteren Silbermedaillen und -plaketten aus vormals jüdischem Eigentum. Siehe hierzu: Historisches Archiv Hamburger Kunsthalle (HAHK): 127-5.6. (Slg 505) Geschenke in Kunstwerken und Vermächtnissen, F, Schreiben an die Kulturbehörde Hamburg, 12.05.1960; StaHH 311-3 I_Abl. 1989 305-2-1/174b.
Die Medaille wurde auf LostArt als Fundmeldung eingestellt (Lost Art-ID623741).
Status: ungeklärt, NS-Raubgut
Stand: 06.11.2024 Marlene Knut
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Fotograf Vorderseite: Dana Zacharias
Fotograf Rückseite: Dana Zacharias
Hamburger Kunsthalle
Accession Zugangsjahr 1960 Zugangsart Überweisung
Zitierweise für dieses Objekt: Hamburger Kunsthalle, M-1960-6
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